Re: ÖM / STM Standard
Autor: think about dance (62.178.188.---)
Datum: 10. November 2011 09:59
@austrian dancer
Ja die Analyse ist gut und kann einen gewissen Wahrheitsgehalt innehaben – vielleicht.
@Bill
wie wahr! Ja der Staatsmeisterpaar ist völlig o.k.
Ich möchte auch vorausschicken, dass das S-Klassen Finale wirklich interessant war und die TanzsportlerInnen bzw. TänzerInnen dem Publikum ein spannendes Turnier boten.
Zu den Wertungen bis 5 für ein bestimmtes Teilnehmerpaar will ich mich gar nicht weiter äußern. Zumindest nicht in einer direkten Form, sondern mit einer Umschreibung beitragen.
Ja @Bill - Das Ergebnis der letzten STA WM lässt allerdings hoffen.
Es wird sich zeigen, ob es sich dabei um eine Eintagsfliege handelt.
Die Aussage - wollt Ihr „Tanzen lernen“ oder wollt „Ihr erfolgreich sein“ – trifft den Nagel auf den Kopf. Wobei das eine eigentlich das andere nicht ausschließen sollte. Es gibt noch genügend Trainer (national & international), die eine moderne Einstellung haben, aber den derzeitigen Trend nicht in dieser Art mittragen wollen. Sie arbeiten in ausgewogener Form und wollen bestimmte Grundwerte immer noch vermitteln. Grundwerte sind jedoch nicht nur die Figürchen aus den Fachbüchern, sondern diese Grundwerte sind auch aus anatomischer und bewegungsökonomischer Sicht interessant (soweit man sich damit beschäftigen will und das know how hat).
Jedoch werden nun die unterrichtenden Mitläufer (nicht unbedingt zum Stand der Trainer gehörend) immer zahlreicher, die in vielen Fällen nicht genau wissen was Sie tun und nur einer thesenhaften Vorstellung nachlaufen.
Höher, weiter, schneller das ist die gegenwärtige Devise, die sich immer weiter verbreitet (hat). Das Erarbeiten von Grundprinzipien, um das Thema Tanzen zu erlernen, damit wollen – oder besser gesagt – dürfen sich heute die Tanzsportler kaum mehr intensiv befassen. Sie würden gerne erfolgreich sein. Dazu gibt es dann die richtigen Personen, die Ihnen klar machen, dass der Erfolg nur mit schwerer Choreographie, Krafteinsatz und möglichst durchgehend schnellen Positionswechseln zu erreichen ist. Wobei man nicht unerwähnt lassen darf, dass es eine ausreichende Zahl an TänzerInnen gibt, die von sich aus ein Bild des Tanzes entwickelt haben, welchem diese Unterrichtsmethodik entgegenkommt. Das bodenständige Untergerüst wird in geringem Ausmaß erlernt. Somit ist der Erfolgshorizont meist enger gesetzt. Von den vorhergehenden 2 Sätzen sind „Talente“ auszuschließen. Irgendwie ist es nicht besonders förderlich, wenn man die Anstrengung der TänzerInnen ganz offensichtlich sieht – da passt dann irgendetwas so ganz und gar nicht.
Wenn man in die obersten Leistungsklassen (in Salzburg) hineinsieht - Ferse statt Ballen – WW außer Takt – fehlender No Foot Rise…. …….. um nur ein wenig an grundlegenden Merkmalen aufzulisten, die ein Faktum sind, aber gewisse bewegungstechnische Konsequenzen nach sich ziehen, die nicht unbedingt positiv dem Gesamteindruck der Performance förderlich sind.
Choreographie wird gegenüber Bewegungsablauf überbewertet. Nach derzeitigem Tanzen müssten die Bewertungskriterien in anderer Reihenfolge an Wertigkeiten gelistet werden. Auch sollte man zusätzliche Kriterien erarbeiten (da wird sich wohl jemand finden?).
Genaugenommen sind nicht die Trainer oder Tanzpaare die Auslöser, sondern in letzter Konsequenz die Wertungsrichter, die eigentlich die größte Verantwortung an einer Entwicklung tragen. Man muss sich fragen, was daran innovativ zu sehen ist, wenn gegenwärtig in einer Choreographie des Slow Waltz hauptsächlich durchgelaufene Abläufe getanzt werden und eine Unterscheidung zu Quickstep nur deshalb gegeben ist weil man nicht hüpft (zumindest im Moment nicht) – wie sollte der WR z.b. die Charakteristik bewerten – eigentlich mit NO. Ach ja – ich habe eine Begründung präsentiert bekommen: Weil es alle so machen!?? Derzeit könnte man mit NO NOs und deren Beschreibung Skripten füllen.
Ein Waltzswing der swinging legs über alle Phasen bis zum Schließen sogar für Laien erkennbar macht, muss besser goutiert werden als der gleiche Ablauf, der nach halber Zeiteinheit abgebrochen wird um sich möglichst schnell von einer Position in die andere zu hieven. Nur um ein „minimal“ unterschiedliches Beispiel anzuführen.
Ja – es ist zu hoffen, dass man nicht mehr lange versucht das Rad weiter neu zu erfinden, sondern sich der Kunst des Tanzens, unter Beibehaltung eines sportlichen Faktors, wieder besinnt. Der derzeitige Erfindungsstatus ist mehr als eckig.
Italienische Trainer und Choreographen haben mithilfe der früheren „alten Elite“ das Standardtanzen aus dem Mittelalter geholt. Allerdings war es nicht im Mittelalter, sondern hat sich eher langsam weiterentwickelt. Es wurden Akzente gesetzt, Anfangs besonders mit Neuinterpretation von Tango. Einiges an äußerst positiven Ideen und Ausführungen folgte, das sehr gut angedacht und eingebaut war. Haltung, Positionierung, Rhythmusvariationen wurden eingebracht, die förderlich und interessant waren und den Tanzsport etwas rascher modernisierten.
In den vergangenen Jahrzenhnten – auch lange vor Italien – gab es immer wieder verschiedenste Modeerscheinungen, die sich meist nur kurz gehalten, aber doch zu einer Weiterentwicklung beigetragen haben. Auch einiges das heute als „Neu“ verkauft wird gab es schon vor 20 oder mehr Jahren (nicht unbedingt choreographisch zu sehen). Irgendjemand hat wieder mal alte Lecture Notes hervorgezaubert …. und „mittelalterliches“ Gedankengut wird angepriesen – als neue Idee.
Nein man soll nicht in der Vergangenheit hängen bleiben – ja es muss Entwicklung geben. Diese sollte vielleicht etwas mehr evaluiert werden – und der Weg des Tanzens sollte nicht zu einer reinen Sportlerbewegung führen, sondern auch Platz für den Künstler - Performing Art - bieten. Eine ausgewogene Mischung aus beiden Bereichen – dies wäre doch wünschenswert. Für das Auge des Zusehers, des Wertungsrichters, aber auch für das Ego des Tänzers.
Die Fragestellung lautet eigentlich: Wollen wir sportliche Tänzer mit künstlerischer Persönlichkeit, oder Akrobaten und Kraftsportler auf der Tanzfläche sehen?